18.6.2017 · Redaktion
Wandernd zum WIR

Sobald Du Dich auf den Weg machst,
öffnet der Horizont seine Grenzen.

(Verfasser unbekannt)

 

14 Runden auf dem Michelbacher Rundweg – 2.800 gelaufene Kilometer – 280 Mal ins Ziel gekommen

Was haben Sie gedacht und gefühlt auf Ihrer WIR-Wanderung? Wir haben in diesem Text einmal ein paar „innere Stimmen“ sprechen lassen … finden Sie sich wieder? Schildern Sie uns IHRE persönlichen Eindrücke & Erkenntnisse, an: redaktion@gaggenauer-altenhilfe.de

 

Da bin ich aber mal gespannt
Nach und nach wird der Kreis größer, auf dem Parkplatz an der Wiesentalhalle. Vertraute und fremde Gesichter. „Toll, dass wir heute zusammen wandern!“ und: „Ach, die Soundso ist auch dabei? – Wie schön!“, denken die einen. „Ein freier Tag wär´ mir lieber gewesen“ oder „Das hier bringt doch nichts“, die anderen. Manch einer hegt Befürchtungen: „Ob ich den Weg wohl schaffen werde – mit meinem Übergewicht / dem steifen Rücken / den schmerzenden Knien?“ Wieder andere mustern verstohlen die Gruppe. „Die da links sieht ja sympathisch aus. Aber die da drüben, mit dem griesgrämigen Gesicht, auweia.“ 
Der Hund wedelt mit dem Schwanz: ungetrübte Freude von der Nasen- bis in die Schwanzspitze.

„Schön, dass Sie da sind!“
Der Chef in Wanderklamotten. Gutgelaunt und entspannt steht Peter Koch da. „Der ein oder andere von Ihnen hat sicher schon von den Kolleginnen und Kollegen gehört, dass der WIR-Tag gar nicht so schlimm ist. Wir wollen einfach mal gemeinsam aus dem Alltag aussteigen, Luft holen außerhalb des Normalen. Die Menschen aus den anderen Häusern, Einrichtungen, Abteilungen kennenlernen und locker ins Gespräch kommen.“ Das klingt ja ganz nett. „Es gibt Mitarbeiter, die schon seit dreißig Jahren bei der Gaggenauer Altenhilfe sind und noch nie im Oskar-Scherrer-Haus waren, und das gibt es jetzt auch schon seit 2004.“ Ups, stimmt. Ich wollte ja auch immer mal im Gerhard-Eibler-Haus vorbeischauen und habs bis heute nicht gemacht.

Der erste Anstieg
Ohne Anstieg kein Panorama, das ist klar. Aber wie schnell man doch aus der Puste kommt, wenns bergauf geht! Bislang hats noch jeder geschafft, hatte Herr Koch gesagt. Und erzählt die Geschichte einer Mitarbeiterin, die sich diese Steigung Schritt für Schritt hochgekämpft hat. Hinterher habe sie gemeint: „Ich habe es nur deshalb geschafft, weil mir Kollegen geholfen haben.“ Sie hatten sie einfach ohne viel Aufhebens rechts und links untergehakt. Aber sie selbst hatte zuvor den Mut aufgebracht, sich der Herausforderung zu stellen. Und der Gruppe zu vertrauen.
Erstes kleines Päuschen zum Durchschnaufen mit Blick auf das Schlossköpfle. Herr Koch legt sich als Wanderführer ins Zeug und erzählt von der Geschichte der im 11. Jahrhundert dort unrechtmäßig erbauten – und deshalb wieder abgerissenen – Burg „Michilenbach“. 1992 entdeckte man Reste der Burg, schüttete aus Kostengründen aber alles wieder zu. Und weiter geht’s bergan. Schon ist die erste Steigung geschafft.

Wandern & genießen
Jetzt heißt es genusswandern – und so wird es auch auf dem ganz überwiegenden Teil des Michelbacher Rundwegs weitergehen. Auf weichem Waldboden oder idyllischen Graspfaden, entlang weitläufiger blumenübersäter Weiden, Streuobstwiesen oder an plätschernden Bachläufen vorbei. Füße abkühlen in der Michelbacher „Gumpe“. Herrliche Weitblicke tun sich auf, über die Dächer von Michelbach und grüne Weiten bis hinüber zur Schwarzwaldhügel-Kette von Mahlberg, Bernstein, Teufelsmühle, Badener Höhe, Merkur. Wie schafft dieser Weg es bloß, sieben Täler bei nur drei Anstiegen zu verbinden?

Das Du liegt so nah
Man plaudert hier und plaudert da. Lacht zusammen. Stellt Gemeinsamkeiten fest. Findet sich nach einem Zwischenstopp auf einmal neben der Frau mit dem griesgrämigen Gesicht wieder. Und stellt fest: Die ist ja total nett. Man ertappt sich dabei, bislang fremden Personen Persönliches zu erzählen. Das Du liegt auf einmal so nah. Seltsam. Dabei wandert man doch nur miteinander. Mit den Beinen geraten auch Gedanken und Gefühle in Bewegung.

Soll ich oder soll ich nicht?
Meinungen, auch kritische, sind ausschließlich erwünscht, hatte Herr Koch gesagt. Er wolle mit uns diskutieren, der Prozess nach innen solle in Gang kommen. Ich hätte da ja schon so einige Ideen. Aber ich bin doch nur Alltagsbegleiterin / Spülhilfe / Verwaltungsangestellte / Altenpflegerin / Techniker. Da kann ich doch nicht einfach so mit dem Chef reden. Oder doch? Also gut, ich geh jetzt einfach mal zu ihm hin. Mhm, oder doch nicht?

Michelbach kann „Miteinander“
Während wir an der Hilsberg-Hütte rasten, tuckert ein Traktor mit zwei freundlich nickenden alten Männern vorbei, eine ganze Ladung Arbeitsgeräte im Anhänger. „Die pflegen mit weiteren Michelbacher-Rundweg-Freunden ehrenamtlich den Wanderweg, die ganzen 15 Kilometer“, erzählt Peter Koch, selbst „zugeschmeckter“ Michelbacher. Wow. Die schuften freiwillig, damit wir hier so hübsch wandern können. Dazu liebevoll herausgeputzte Fachwerkhäuser, Backhiesl zum gemeinsamen Brotbacken, alle zwei Jahre ein großes Bürgerprojekt wie die Instandsetzung des alten Mühlrads: Michelbach kann definitiv „Miteinander“!

Der Blick in den Spiegel
Ein Holzkasten vor einem Biotop. Darauf steht geschrieben: „Wer fängt an mit dem Umweltschutz?“ Wer den Kasten öffnet, blickt in einen Spiegel.

Aufeinander achten
Mal geht man ein Stück des Wegs alleine, mal zu zweit, zu dritt, zu viert. Manchmal werden die Abstände sehr groß. Ins Gespräch vertieft, achtet man kaum noch auf die anderen. Aber man weiß doch, sie sind da, ein angenehmes Gefühl. Man kommt auch schon mal vom Weg ab. „Halt“, ruft dann einer, „hier gehts lang!“. Einmal falle ich zurück, wegen eines dringenden Telefonats. Ich sehe die Gruppe weiterziehen.
Der Hund dreht sich um zu mir und weigert sich, weiterzugehen.

Die Belohnung
Was, schon da? Das waren wirklich 11 km gewesen? „Alle haben heute die gleiche Leistung erbracht – jeder auf seine ganz eigene Art“, sagt Peter Koch. „Wir sind alle dieselbe Strecke gelaufen. Jeder einzelne ist ins Ziel gekommen, gut behütet und aus eigener Kraft.“ Und jetzt endlich: Suppe, Salate, warmes Büffet und selbstgemachte Vanilleeisscheiben mit frischen Erdbeeren, lecker!

Jeder Schritt zählt
Zeit, Abschied zu nehmen, auf dem Parkplatz an der Wiesentalhalle. Aus fremden Gesichtern sind vertraute geworden. Man ist ein Stück Weg zusammen gewandert. Jeder Schritt zählt. Ob hastig oder gemächlich, klein oder weitausholend. Ob gemeinsam oder allein gegangen. Und auch die Stolperer und die Schritte in die falsche Richtung sind wertvoll.
Der Hund wedelt mit dem Schwanz und blickt in die Runde. Erwartungsvoll, was jetzt wohl als Nächstes kommt.

 

Wohin Du auch gehst,
geh’ mit Deinem Herzen.

(Konfuzius)

 

 

 

 

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