28.5.2017 · Redaktion
„WIR MÜSSEN MUTIG SEIN UND UNSERE STIMME ERHEBEN!“

„WIR MÜSSEN MUTIG SEIN UND UNSERE STIMME ERHEBEN!“
Facebook-Star Sandro Pé zu Besuch bei der Gaggenauer Altenhilfe

Leidenschaftlich, direkt und humorvoll: so wie sich Sandro Plett – Künstlername Sandro Pé – in seinen Youtube-Videos gibt, so präsentierte er sich auch vergangenen Freitag im Oskar-Scherer-Haus. Die zahlreich gekommenen Pflegekräfte und Auszubildende waren begeistert, den wohl bekanntesten Altenpfleger Deutschlands „live“ zu erleben. Mit nur 26 Jahren ist Sandro für viele ein hell strahlender Stern am Pflege-Horizont. Er schafft es, mit positiver Kraft der Pflege ein neues Gesicht, ein neues Selbstbewusstsein zu geben. 65.000 „Follower“ hat seine Facebook-Seite! Das hätte sich der examinierte Altenpfleger und Wohnbereichsleiter (AWO Neuwied) nicht träumen lassen, als er vor sechs Jahren damit begann, sich in den sozialen Medien für mehr Wertschätzung und Respekt in der Altenpflege stark zu machen. Ebenso wenig, dass er einst beim Award „Pfleger des Jahres“ mit einem Sonderpreis ausgezeichnet werden würde, wie zwei Wochen zuvor in Berlin geschehen.

Um möglichst viele Altenpfleger zu inspirieren und eine Diskussion über neue Wege in der Pflege anzuregen, hatte das Pflegebündnis Mittelbaden Sandro Pé zu einem Gespräch eingeladen. „Es ist jetzt an der Zeit für eine neue Ära in der Pflege“, äußerte sich Peter Koch, Vorsitzender des Pflegebündnis´ und Leiter der Gaggenauer Altenhilfe, zum Hintergrund der Veranstaltung. „Die Pflegerinnen und Pfleger müssen endlich aus der Deckung heraus, eine Lobby bilden und sich für ihren eigenen Berufsstand einsetzen wie es auch Ärzte, Piloten oder Metallarbeiter tun.“

Gleich zu Beginn des Gesprächs mit der Journalistin Petra Stalbus, die ehrenamtlich die Moderation übernahm, hatte er einen Rat an sein Publikum: „Wenn Euch jemand nach Eurem Beruf fragt, sagt nicht: ´Ich bin Altenpfleger´, sondern: ´Ich bin Pflegefachkraft in der Altenpflege und habe Fachabitur.´“ Wer mit Wertschätzung behandelt werden möchte, müsse sich und sein Können auch selbstbewusst präsentieren. Viele Menschen setzten die Altenpflege immer noch mit „Hinternabwischen“ gleich. Deswegen sei es auch wichtig, aufklären, wie vielfältig der Beruf sei und dass er eine anspruchsvolle Ausbildung mit weitgehenden medizinischen und psychologischen Kenntnissen voraussetze. „Außerdem müssen wir auch mehr darüber sprechen, wie schön es ist, für den Bewohner da zu sein und von den Emotionen in der Altenpflege erzählen“, fügt Sandro Pé hinzu. „Die Bewohner jeden Tag zum Lächeln bringen, ihnen Liebe geben, seelische Wunden heilen: auch das ist gehört zu unserem Job – eine anstrengende und zugleich wunderschöne Arbeit.“ Er selbst habe sich übrigens erst durch die Ausbildung zum Altenpfleger von einem „wirklich unartigen Jungen“ zu einer „sozialen Persönlichkeit“ entwickelt.

Um mit Würde und Liebe zu pflegen, seien zwei Dinge nötig: zum einen die Offenheit, flexibel und feinfühlig auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen, wie weit sie auch immer von der Norm entfernt sein mögen, statt an Tagesstrukturen und Abläufen festzuhalten. Und zum anderen, sich gegen Sparmaßnahmen und Missstände zu wehren. Leider gäbe es etliche schlechte Einrichtungen, die viel Geld mit schlechter Pflege verdienten. „Ihr als Fachkräfte seid die Macht der Pflege. Wenn ihr alle zusammenhaltet, dann könnt ihr etwas bewegen. Wir müssen mutig sein, zusammenhalten und unsere Stimme erheben!“ Leidenschaftlich machte Sandro Mut, aufzubegehren: um sich selbst willen und für den alten Menschen, den man betreut. Sandro Plett selbst ist das beste Beispiel, dass man etwas bewirken kann. Beispielsweise kommen Einrichtungen wie die neugegründete Pflegekammer Rheinland-Pfalz auf ihn zu, um seine Meinung zu hören. Und auf dem nächsten Pflegetag in Berlin wird er in Anwesenheit des Gesundheitsministers eine Rede halten. „Kommt mit mir mit und setzt Euch mit auf die Bühne!“ forderte er die anwesenden Pfleger auf.

Als Sandro ins Publikum hinein fragte, wer sich denn eigentlich in seiner Einrichtung gut aufgehoben fühlt, gingen fast alle Hände hoch. „Das ist wirklich toll“, freute sich Sandro, der täglich viele Zuschriften über gravierende Missstände bekommt. Auch in der Diskussion mit dem Publikum zeigte sich, dass ganz überwiegend Pflegekräfte gekommen waren, für die der Beruf Berufung ist. Oder wie es später beim privaten „Talk“ und Fotoshooting mit dem Facebookstar eine Besucherin im zweiten Ausbildungsjahr formulierte: „Satt, sauber, trocken – das war früher. Gefühle wurden damals nicht gelehrt. Wir sind die neue Generation, die sagt: Herz, ganz viel Herz!“

#ichbinVeränderung

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