15.10.2016 · Redaktion
Lieber Herr Koch, sagen Sie doch mal, warum … ?

War der Umbau wirklich nötig? 

Er bringt doch viel Lärm und Einschränkungen mit sich. Ja, definitiv, das musste sein. Wir hatten einen großen Sanierungsbedarf durch marode Leitungen und eine veraltete Technik. Außerdem zwingt uns die Landesheimbauverordnung bis 2019, komplett auf Einzelzimmer umzustellen. Und durch die neue Pflegeversicherungsreform wird die ambulante Versorgung deutlich besser honoriert als die stationäre. Um die Zukunft der Gaggenauer Altenhilfe zu sichern, war deshalb auch aus wirtschaftlichen Gründen der Umbau mit dem Schwerpunkt auf das Betreute Wohnen zu 100 Prozent nötig.

Das neue Helmut-Dahringer-Haus soll ein „Quartiershaus“ werden – was ist denn das eigentlich?
Den Begriff Quartiershaus hat die Stiftung Kuratorium Deutsche Altershilfe geprägt, die als deutschlandweiter Vordenker für Innovationen in der Alterspflege gilt. Im Grunde genommen geht es darum, dass die Gesellschaft wieder enger zusammenrückt, füreinander da ist, gemeinschaftlich lebt, ob alt oder jung, arm oder reich, krank, behindert oder gesund. Ein Quartiershaus ist ein Anlaufpunkt im Viertel, ein generationsübergreifender Ankerpunkt, in dem Räume und Angebote für Begegnungen geschaffen werden. Hier sind alle gefragt, Bürger, Stadt, Kommune – und ich muss sagen, dass sich Gaggenau da mit dem Konzept der familienfreundlichen, gesunden, sozialen Stadt vorbildlich und zukunftsweisend engagiert und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt. Das hat Strahlkraft in der Region.

Wie wird das im Helmut-Dahringer-Haus konkret aussehen?
Wir sind da ja schon auf einem sehr guten Weg, mit den Kooperationen, die wir schon haben, mit Schulen, Kindergärten, Vereinen, Kirchen, Ehrenamtlichen, der Stadt, Mehrgenerationentreff, Küchenmeister-Workshop mit Schulen, Besuche von Berufsschüler und so weiter und so fort. Diese Kooperationen werden wir weiter ausbauen. Unsere Lage ist dafür top, noch engere Bande mit den rings um uns vorhandenen Einrichtungen zu knüpfen. Die Fläche des alten Schwimmbads haben wir ja bereits zur Schulmensa umgestaltet und an die Stadt verpachtet, die Raumbedarf hatte, weil sie die Ganztagsbetreuung ausbaut. Außerdem haben wir mit öffentlichem Restaurant, Friseur und Fußpflege, Kapelle, Seminarräumen, Garten und einem Hof, der an die Schulmensa grenzt, viele Orte im Haus, die Begegnungen ermöglichen. Wir werden im Haus eine zentrale Beratungsstelle für alle Fragen rund ums Leben im Alter einrichten und in naher Zukunft auch eine Befragung in der Nachbarschaft durchführen – unterstützt von der Stiftung Kuratorium Deutsche Altershilfe – welche Wünsche und Bedürfnisse die Anwohner haben.

Im neuen Helmut-Dahringer-Quartiershaus werden viele verschiedene Betreuungsangebote unter einem Dach sein. Was sind die Vorteile davon?
Das ermöglicht beispielsweise Paaren, unabhängig vom gesundheitlichen Zustand zusammen zu bleiben, Wenn, sagen wir mal, bei einem Paar, das im Betreuten Wohnen lebt, der Mann dement wird, kann er in der Tagespflege in selben Haus versorgt werden. Die Frau hat Entlastung und dennoch können beide noch ihr gemeinsames Leben in ihrer Wohnung teilweise fortführen. Oder wenn sich Pflegebedarf ergibt, dann können die Bewohner in Ihrer Wohnung, in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und müssen nicht umziehen und sich umgewöhnen. Was auch schön ist: durch das Betreute Wohnen wird sich ein bunter Altersmix im Haus ergeben, sagen wir mal von 60 bis 110 Jahren. Das macht das Haus lebendiger – und die jüngeren Senioren haben die Gelegenheit, sich vor Ort ehrenamtlich sinnvoll einbringen, wenn sie mögen.

Was wird sich für die Mitarbeiter verändern?
Für manche Mitarbeiter werden sich Bereiche und Aufgaben ändern. Dann werden wir beim Betreuten Wohnen mit jüngeren Bewohnern zu tun haben, die fitter sind und andere Ansprüche stellen. Wir werden die Lebenshilfe als neue „Dauergäste“ im Haus haben – und es wird sich durch die stärkere Einbeziehung von Bürgern, Vereinen, Schulen mehr Dynamik ergeben. Ich weiß, dass Veränderungsprozesse Angst machen, das liegt in der menschlichen Natur. Aber die muss keiner haben. Die Arbeitsplätze bleiben erhalten, im besten Fall entstehen sogar mehr Stellen als bisher. Hier ist jeder gefragt, offen zu sein, sich aktiv einzubringen – und etwas Geduld zu haben, bis sich alles neu eingespielt hat und wenn es mal rumpelt, es mit Gelassenheit zu nehmen. Wenn wir mal aufs Gerhard-Eibler-Haus schauen, sieht man ja, wie weit wir in nur einem Jahr schon gekommen sind. Die erste Zeit war hart, für einige war die Umstellung nicht leicht, Teams mussten sich neu finden. Aber mittlerweile sagen viele, wir haben hier eine schöne Atmosphäre miteinander.

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