15.10.2016 · Redaktion
Ein Haus bricht auf in die Zukunft

So läufts beim Umbau im Helmut-Dahringer-Haus

Ein Abriss kam nie infrage. Zum einen wäre der Neubau eines vergleichbaren Hauses wesentlich teurer geworden. Zum anderen aus ideellen Gründen: Man hätte man der Stadt eine markante Architektur entrissen – ein Haus, das Geschichte geschrieben hat und das seit vier Jahrzenten das soziale Bewusstsein Gaggenaus verkörpert. Und nicht zuletzt hätte man das ungewöhnlich großzügige Foyer mit all seinen angeschlossenen Räumen wie Bibliothek und Kapelle, Seminarraum und Restaurant verloren. Das aber spielt beim Quartiershaus-Konzept eine entscheidende Rolle als generationenübergreifende Begegnungsfläche. Nach seiner Fertigstellung wird das neue Helmut-Dahringer-Haus als „Quartiershaus“ noch stärker als bisher Menschen zusammenbringen. Seine Angebotsfülle von Betreutem Wohnen, Restaurant, stationärer, ambulanter und Kurzeitpflege unter einem Dach wird in der Region einzigartig sein.

„Ja, an manchen Tagen ist der Baulärm schon sehr heftig“, räumt Jens Unser ein, der gemeinsam mit Peter Koch die Bauherrenvertretung wahrnimmt. „Natürlich hätten wir unseren Mitarbeitern und Bewohnern gerne die Beeinträchtigungen erspart, aber die Arbeiten müssen ja nun mal gemacht werden. Immerhin haben wir jetzt die Abbrucharbeiten im Altbau hinter uns. Im Erweiterungsbau ist die Sanierung nicht anders möglich als von Etage zu Etage. Aber auch das wird irgendwann ein Ende haben, nur leider nicht vor 2017.“ Er fügt hinzu: „Schreiben Sie bitte ein großes Dankeschön an alle Mitarbeiter im Helmut-Dahringer-Haus in den Artikel, die so geduldig den Lärm ertragen, das ist mir sehr wichtig!“ Also hier: EIN GANZ GROSSES DANKESCHÖN! ☺

Spätestens, als von der Decke der Kapelle im Helmut-Dahringer-Haus Wasser heruntertropfte, war klar: Es ist höchste Zeit für eine umfassende Sanierung, nach 40 Jahren Nutzung. Architekt Andreas Hütter nickt zustimmend: „Die Technik war quasi am Sterben. Was wir jetzt hier machen, das ist Werterhalt innen und außen, wir bringen alles auf den neuesten Stand, auch die Wärmedämmerung und Energieversorgung. Wobei ich aber insgesamt sagen muss, dass die Grundsubstanz des Hauses in einem erstaunlich guten Zustand ist. Die Materialien, die Gestaltung: hier wurde damals mit Qualität und Sorgfalt gebaut, Respekt! Dieses Haus hat wirklich eine hohe architektonische Qualität.“ Andreas Hütter ist vom Architekturbüro Körkel Beierlein, das auf die Planung von Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Forschungsgebäuden spezialisiert ist. Sie haben 2012 bereits das Gerhard-Eibler-Haus entworfen und bis zur Baugenehmigung begleitet – und dann bei der Ausschreibung des HDH-Umbaus überzeugt. Eigentlich wollte man bei der Gelegenheit der technischen Sanierung auf 100 stationäre Pflegeplätze plus drei Etagen Betreutes Wohnen umstellen. Doch dann kam eine Veränderung der Landesheimbauverordnung und die Reform der Pflegeversicherung ins Spiel. Neue Bedarfsprognosen und Wirtschaftlichkeitsrechnungen ergaben: Ein Schwerpunkt auf das Betreute Wohnen ist die beste Lösung, um die Zukunft des Hauses und damit der Gaggenauer Altenhilfe zu sichern. Also schwenkte man um auf sechs Etagen Betreutes Wohnen im Altbau, 55 Pflegeplätze im Erweiterungsbau mit bis zu 16 Tagespflegeplätzen plus ein Stützpunkt des Ambulanten Pflegediensts. So kann es gehen, wenn die Politik die Weichenstellungen verändert. Das Architekturbüro musste nochmal ran und die Entwürfe überarbeiten. Andreas Hütter ist momentan fast täglich vor Ort, um sicherzustellen, dass bei Entkernung und Umbau alles reibungslauf läuft.

Über die Zusammenarbeit mit Jens Unser, dem Assistenten der Geschäftsleitung der Gaggenauer Altenhilfe, sagt er anerkennend: „Für uns ist es nicht selbstverständlich, einen so kompetenten Bauherrn zu haben. Die Zusammenarbeit ist konstruktiv und vertrauensvoll – und wir sind im Zeit- und Kostenplan.“

Fast ganz in Weiß präsentiert sich zur Zeit das HDH, das markante Grün an Fenstern und Balkonfronten ist verschwunden. Davon abgesehen bleibt aber die Außenfassade mit den vielen Balkonen erhalten, die je nach Etage einzigartige Weitsichten ins Grüne und über die Stadt bieten. Die markante 70er-Jahre-Architektur prägt nicht nur schon seit 40 Jahren das Stadtbild von Gaggenau, sondern verkörpert auch die soziale Verantwortung und die Wertschätzung für die ältere Generation, aus der heraus dieses Alten- und Pflegeheim als eine „liebevolle Heimat“ für die Alten damals gebaut wurde. „Die alten Fenster sind bereits alle erneuert und haben jetzt dezentere Rahmen. Der Farbe grün werden wir aber weiter treu bleiben: Sie wird sich unter anderem als Farbakzent in den Pflegezimmern wiederfinden“, meint Jens Unser. „Wobei die Bewohner frei sind, die Möbel auszutauschen und sich individuell einzurichten. Einbauschränke wird es in Zukunft keine mehr geben und die Apartments des Betreuten Wohnens sind unmöbliert.“

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Das Helmut-Dahringer bleibt sich auch in vielem anderen treu: „Das Haus wird im Herzen das Helmut-Dahringer-Haus bleiben. Wenn die Bewohner unseres ehemaligen Altenheimbereichs aus den Ausweichunterkünften zurückkommen und ins Betreute Wohnen ziehen, dann sollen sie sich gleich wieder zuhause fühlen. Sie sollen sagen: ´Es ist neu, es ist schön. Und es ist immer noch das Helmut-Dahringer-Haus.´“ Gemeinsam mit dem Architekten wurde genau geprüft, was bei der Gelegenheit der Erneuerung von Rohren und Leitungen – wenn ohnehin Decken, Wände und Böden aufgerissen werden müssen – besser gemacht werden kann. So werden Flure und Foyer durch Anstrich und neue Lichtsysteme heller und freundlicher werden, die dunkle Holzdecke wird es nicht mehr geben.

„Wir versuchen uns in die Welt der alten Menschen hineinzuversetzen.Natürlich muss das ganze Haus barrierefrei sein. Außerdem ist es im Alter noch wichtiger als ohnehin, dass Innenräume angenehm gestaltet sind, vor allem auch die Aufenthaltsräume. Man verbringt ja doch viel mehr Zeit im Haus. Viele Gegebenheiten sind hier schon sehr gut. Toll hier am Foyer im Altbau sind die bodentiefen Fenster, die viel Tageslicht hineinlassen und den Blick auf den Hof, auf Grün und Wasser, freigeben.“ Im Hof wird eine rollstuhl- und rollatortaugliche große Terrasse angelegt werden.

Das Außengelände der Schulmensa, die seit Ende September bereits im Betrieb ist – sie wurde im alten Schwimmbad des HDH eingerichtet – grenzt hier an und ermöglicht generationenübergreifende Begegnungen. Das ist einer von vielen Bausteinen des Quartierhauskonzepts.
Im Erdgeschoss bleiben die Bibliothek und der Gymnastikraum, das Restaurant / Café und auch die Kapelle erhalten. Friseur und Fußpflege sind zukünftig barrierefrei zu erreichen und die Büros für die Verwaltung werden neu gestaltet. „In Gaggenau geht das Gerücht umher, dass die Kapelle abgerissen wird“, erzählt Jens Unser. „Das ist definitiv falsch. Wir erhalten sie, weil sie von vielen Bewohnern als ein Andachtsraum genutzt wird, der Besinnung und auch Trost spendet. Bei den großen Gottesdiensten wie Weihnachten und Ostern ist jeder Platz besetzt. Natürlich wird auch der Altar wieder aufgestellt werden, den haben wir nur zum Schutz eingelagert. Neu ist, dass wir einen Fluchtweg direkt ins Freie haben werden, aufgrund der neuen Brandschutzverordnungen, die wir im ganzen Haus umsetzen müssen.“ Die Größe des Foyers hatte Architekt Andreas Hütter überrascht: „Das ist ein echter Glücksfall. Ein solch großzügiges Foyer dürften wir heute gar nicht mehr bauen, das lassen die gesetzlichen Vorgaben nicht mehr zu“, meint der Architekt. „Es war für uns allerdings eine anspruchsvolle Aufgabe, die Flächenverteilung im Erdgeschoss neu zu gestalten.“ Während im Erweiterungsbau von 2-Bett-Pflegezimmern auf die vorgeschriebenen 1-Bett-Zimmer umgestellt und die Bäder renoviert werden werden, werden im Altbau auf den Etagen 1-6 Apartments des Betreuten Wohnens gebaut. In einigen sehr breiten Fluren konnte dort sogar zusätzliche Wohnfläche geschaffen werden. „Hier haben wir 1-Zimmer-Apartments eingezogen“, so der Architekt. „Dieses 1976 gebaute Haus ist wirklich spannend. Jede Etage ist anders. Es gibt durch die Pyramidenbauweise nur wenige identische Grundrisse.“ Daraus wiederum resultiert ein Vorteil für die neuen Bewohner: Sie haben in Schnitt und Größe eine Auswahl. „Wir haben für das Betreute Wohnen schon viele Anfragen“, erzählt Geschäftsführer Peter Koch. „Im Oktober können wir in einem Zwischenschritt im Erweiterungsbau von 1992 bereits die Eröffnung des Wohnbereichs Mahlberg im 1. OG feiern.

Wir freuen uns sehr, dass wir das Helmut-Dahringer-Haus im Sinne der Gründergeists fortführen und in eine gute Zukunft bringen können. Es wird mit seiner Angebotsfülle und als Quartiershaus in der familienfreundlichen und sozialen Stadt Gaggenau eine noch größere Rolle spielen als bisher.“

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